Der Triadische Lernraum mit KI. Neue Schlüsselkompetenzen für Lehrkräfte und Lernende

Ausschnitt aus meinem Vortrag auf der DGSS-Tagung an der RWTH Aachen

Zuerst erschienen auf LinkedIn am 30. September 2026. Original auf LinkedIn

Je mehr KI, desto mehr Mensch.

Dieser Satz trifft den Kern meines Vortrags auf der DGSS-Tagung. Denn KI verändert nicht nur unsere Lernwerkzeuge, sondern auch die Konstellation des Lernens.

Bisher dachten wir Unterricht dyadisch: Lehrende vermitteln, Lernende nehmen auf. KI tritt heute dauerhaft als dritte Instanz hinzu. Sie liefert Informationen, formuliert Texte, entwickelt Ideen und bietet Lernhilfen.

Triadisches Modell: Mensch (Lehrende) und Mensch (Lernende) im Dialog, KI als metakommunikative Instanz – Sinn entsteht im Gespräch
Das triadische Modell: Mensch – Mensch – KI. Sinn entsteht im Gespräch.

Doch wenn wir den bisherigen Unterricht lediglich um ChatGPT ergänzen, verbinden wir alte Lernformen mit neuer Technik. Entscheidend ist nicht, ob KI eingesetzt wird, sondern wofür und auf welcher pädagogischen und kommunikativen Grundlage.

Im triadischen Lernraum wird KI zur Zubringerin: Sie gibt Impulse und eröffnet Perspektiven. Prüfen, einordnen, entscheiden und verantworten müssen jedoch Menschen. Lernende benötigen deshalb Reflexionsvermögen, Urteilskraft und Gesprächsfähigkeit – die Fähigkeit, im gemeinsamen Sprechen und Zuhören Sinn zu entwickeln und zu verantworten.

Auch die Rolle der Lehrkraft verändert sich. Aus der reinen Wissensvermittlerin wird eine Dialoggestalterin, ein Lernbegleiter, ein Reflexionspartner und ein kommunikatives Vorbild. Denn KI kann Menschlichkeit simulieren, aber keine pädagogische Verantwortung übernehmen. Sie schafft weder echte Nähe noch Vertrauen oder Empathie.

Dialog ist mehr als Informationsaustausch. Im Dialog entsteht Erkenntnis. Lehrende und Lernende begegnen sich als Lernpartner und entdecken gemeinsam, was wirklich trägt.

Die Zukunft der Bildung entscheidet sich daher nicht an technischen Tools. Sie entscheidet sich daran, ob wir Menschen befähigen, mit KI kritisch, verantwortlich und miteinander zu lernen.

KI gibt Impulse. Menschen schaffen Sinn.

Zukunft braucht Gespräch. Schulen brauchen Dialogkompetenz.


Tagungsort: RWTH Aachen im SuperC-Gebäude

Danke an das Organisationsteam der DGSS e.V. – Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung für die exzellente Ausrichtung der Tagung, insb. an die Prüfstellenleiterin Dr. Katrin von Laguna, Dr. Heiner Apel, Dr.’in Sarah Heinemann, Dipl.-Sprechwiss. Björn Meißner, Dr. Josefine Mendez (Moderation).

Ergänzung

Wir brauchen den triadischen Lernraum nicht erst „einzurichten“ – seit KI am Lernen beteiligt ist, sind wir bereits mittendrin.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob wir ihn wollen, sondern wie wir ihn gestalten. Eine webbasierte, selbst entwickelte Lehr- und Lernumgebung kann dafür einen wertvollen Rahmen bieten. Doch auch sie braucht ein pädagogisches Konzept.

Es geht darum, die Beziehung zwischen Lehrenden, Lernenden und KI bewusst zu gestalten: Wer prüft Informationen? Wo entstehen Urteilskraft und Verantwortung? Wie bleiben Menschen miteinander im Gespräch?

Der triadische Lernraum ist für mich daher kein zusätzliches Tool, sondern die neue pädagogische Realität, die wir mit entsprechenden dialogischen Kompetenzen gestalten dürfen, können und müssen.

Porträt von Bertram Thiel

Über den Autor

Bertram Thiel

Dialog-Coach, Kommunikationspädagoge & Keynote-Speaker

Bertram Thiel arbeitet seit über drei Jahrzehnten an der Schnittstelle von Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichem Wandel. Als Leiter des Beratungszentrums für Kommunikationspädagogik verbindet er die Grundlagen der Sprechwissenschaft mit praxisnahen Konzepten für Schule, Hochschule und Unternehmen. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Dialogische und Triadische Lernen: Menschen im Dialog – die KI als Lernpartner. Seine Überzeugung: Bildung, Führung und Zusammenleben gelingen nur, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen.